Wo mich die Natur zum Staunen bringt

Dies ist ein Beitrag für die Blogparade von Kathi Keinstein. An dieser Stelle: alles Gute zum Blog-Geburtstag. Es geht um die Frage, wo uns die Natur noch in ehrfürchtiges Staunen versetzen kann. Bei mir ist das vor kurzem der Fall gewesen, als ich mit meinem Smartphonemikroskop ein paar Ameisen bei der Nahrungssuche gefilmt habe.

 

Wo hat mich die Natur zum Staunen gebracht?

Seit ca. einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Thema Mikroskopie. Aus Spaß habe ich mir mal bei Amazon eine kleine Makrolinse gekauft, die man auf das Smartphone kleben kann. Das Ding hat lächerliche 9 Euro gekostet, hat sich aber als kleines Wunderwerkzeug herausgestellt. In wenigen Sekunden wird aus einem einfachen Handy eine Mikroskopkamera und die hat es in sich.

Einmal habe ich Ameisen von meinem Balkon auf ein Stück Küchenrolle gelockt und ihnen einen Tropfen Honig spendiert. Eine hat das Essen ignoriert und ist geflohen. Die andere hat sich sofort über das süße Menü hergemacht. Da sie sich dabei nicht bewegt hat, konnte ich sie wunderbar filmen. Das Video davon seht ihr hier:

Daraufhin wollte ich ein wenig mehr über die kleinen Tiere erfahren und habe einige Seiten im Internet besucht. Und genau hier begann das große Staunen. Ameisen sind weder süß, noch so unterhaltsam wie Hunde oder Katzen. Daher nimmt man sie meist nur als Störfaktor war und versucht sie oft auch mit Gift zu bekämpfen. Dabei sind sie doch sehr erstaunliche Tiere. Hier nur ein paar Fakten:

  • Ameisen leben in Kolonien, die von wenigen Hundert bis zu 20 Millionen Tieren beherbergen können. Das Unglaubliche daran ist, dass ihr System bis ins Detail durchorganisiert ist und präzise funktioniert, wie ein Schweizer Uhrwerk. Obwohl sie kein sonderlich großes Gehirn haben und quasi nur ihren Instinkten folgen, sind sie in der Lage eine so große Gesellschaft am Laufen zu halten.
  • Natürlich ist auch dort nicht alles harmonisch, denn in einem Beitrag war sogar die Rede davon, dass Ameisen Auftragsmorde begehen, um die Konkurrenz bei der Fortpflanzung auszuschalten. Sie führen eine Art Ringkampf aus, überwältigen den Gegner und markieren ihn mit einem Duftstoff, der die anderen dazu bringt dieses zu töten.
  • Gleichzeitig sind die Tiere aber auch sozial. Kranke Ameisen zum Beispiel entfernen sich freiwillig von der Gemeinschaft, wenn sie merken, dass sie krank sind. Sie sterben dann irgendwo in Einsamkeit. Damit verhindern sie, dass sie ihre Kameraden anstecken.

Das aber nur als kleiner Vorgeschmack. Diese Tiere sind wahnsinnig interessant und ich werde mich in naher Zukunft noch mehr mit ihnen beschäftigen.

 

Welche Gefühle lösen diese Begegnungen in mir aus?

Als erstes habe ich mir gedacht, wie viel es da draußen in der Natur gibt, über das man gar nichts weiß. Ameisen sind offenbar sehr vielseitige und faszinierende Tiere und leben fast unbemerkt mitten unter uns. Und es gibt ja noch so viele Insekten und kleine Wesen. Sie zu ergründen reicht ein Leben gar nicht.

Was mich allgemein an der Mikrowelt fasziniert ist, dass es ein kleiner Kosmos ist, den viele gar nicht kennen. Dabei spielen sich direkt vor unserer Nase Szenen wie im Dschungel ab. Im Gartenteich hinterm Haus jagen sich kleinen Tiere und fressen einander. Das kann genauso interessant sein wie ein Film über Löwen und Wölfe.

Nachdenklich macht mich auch noch etwas Anderes. Stellen wir uns mal vor, Bakterien könnten irgendwann denken und wären durch Evolution genauso klug wie wir. Wären sie in der Lage zu erkennen, wie klein sie sind und dass der Sinn ihres Lebens darin besteht im Dickdarm einer Ratte oder einer Kuh irgendwelche Enzyme aufzuspalten? Wären sie überhaupt in der Lage durch „technologischen Fortschritt“ jemals zu erfahren, dass ihr riesiges Universum für uns nur ein kleines Körperteil ist? Das führt mich nämlich zu der Frage, wie es mit der Menschheit und dem Universum sein könnte? So gesehen könnten wir auch etwas Ähnliches sein, wie Bakterien? Irgendein kleines Partikel in einem riesigen Organismus, dessen Aufgabe es ist die Verdauung zu regeln.

 

Welche Bedeutung haben solche Naturphänomene in meinem Leben?

Mikroskopieren ist ein nettes Hobby. Wobei ich mich eher auf Insekten und sonstige kleine Tiere beschränken möchte, eben weil es so einfach ist sie mit einer Handykamera zu beobachten. Das Getue mit Mikroskop und Objektpräparation, das ist nicht so meine Welt.
Da ich jedoch beruflich anderweitig aktiv bin, kann und wird das für mich nur ein kleines, schönes Hobby bleiben.

 

Smartphone Mikroskop

Hier noch die Handy-Linse, mit der ich die Aufnahmen gemacht habe.

2 Gedanken zu „Wo mich die Natur zum Staunen bringt“

  1. Welch ein toller Beitrag! Ich weiss schon jetzt: So eine Linse will ich auch 😀 (funktionieren die auch mit Samsung-Smartphones?)

    Ist das wirklich eine Garten-Ameise im Video? Ich bestaune gerade nicht zuletzt die Vergrösserungsleistung dieser Linse… aber Ameisen als solche sind schon unheimlich spannende Tiere (die Sache mit den Auftragsmorden war mir ganz neu!).

    Wir haben zur Zeit eine Kolonie auf dem Balkon und lassen sie vorerst leben…wir müssen bloss aufpassen, dass die Ameisen keine Läuse auf unseren Pflanzen kultivieren (die verstehen sich nämlich auch prima auf Viehzucht 😉 ). Zur Zeit marschieren sie aber über die Balkon-Brüstung auf einen Strauch, der unten steht und bis an den Balkon ragt..da dürfen sie meinetwegen Läuse melken, wie sie wollen.

    Mikroskope finde ich auch schon seit je her spannend…vielleicht habe ich auch deswegen meine Diplomarbeit in einem Zellkultur-Labor und an einem Laser-Scanning-Mikroskop gemacht (damit, mit Laser-Licht und fluoreszierenden Farbstoffen kann man die Organellen in einzelnen Zellen gross auf einen Computerbildschirm bringen!).

    Und in den Phasenkontrast-Mikroskopen, die wir zur schnellen Kontrolle der Zellkulturen hatte, konnte man die Bestandteile der Zellen sogar mit blossem Auge sehen (Ich bin seither unheimlich verwöhnt, was Lichtmikroskope angeht….aber diese Makrolinse für 9 Euro ist wirklich beeindruckend).

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